Tauchlampe ? ... selbst gebaut!

 


Man stelle sich folgende Situation vor:

Man möchte in Zukunft Wrack's und Höhlen betauchen und lernt, bzw. erfährt, daß man dazu am besten mindestens 3 vollkommen unabhängige Lampensysteme haben soll. Alle sollen von der Leuchtdauer entschieden länger halten, als der Tauchgang dauert.

Eine mittlere Kowalski hat man z.B. schon, eine qualitativ hochwerige kleinere Lampe besorgt man sich, bleibt aber immer noch das Problem mit der Hautpbeleuchtung. Diese sollte EXTREM zuverlässig und robust, einfach zu bedienen sein, beide Hände frei halten und eine hohe Leuchtkraft (aber am besten variabel) haben.

Gut, so etwas kann man kaufen. Aber eine Lampe die alle Kriterien erfüllt ist nicht gerade billig und kostet etwa eine Kleinigkeit von 1.000,- Euro aufwärts! (Und das ist dann meistens auch nicht ganz genau das, was man gern hätte.)
Also wie kommt man zu so einer Lampe noch? ... GENAU:

SELBER BAUEN!

Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht, denn wenn man technisch nicht sehr gesegnet ist und nicht das nötige "Know how" und Erfahrung mit Elektronik hat, sollte man gar nicht erst daran denken!
Ich hatte in dieser Richtung einfach Glück, da ich eine Höhere Technische Bundeslehranstalt in der Sparte "Elektronik und Nachrichtentechnik" besucht habe.
Außerdem bin ich technisch sehr wissbegierig und lernfreudig.

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, sieht man sich ein wenig im Internet um, denn es gibt ja noch andere Wahnsinnige, welche sich so etwas antun. Dann investiert man noch 4 Monate Planungsphase in der man kein Auge in der Nacht schließt, da sich in dieser Zeit die Lampe in jedem Detail immer genauer im Kopf plastisch formt, bis sie reif für die Produktion ist.
Dann gilt es natürlich die richtigen Materialien zu finden und in Salzwasser ausgiebig zu testen. Da gilt es zu ermitteln welche Aluminiumlegierung man verwendet, welcher Niro-Stahl soll zum Einsatz kommen soll, welches Glas verwendet man, usw, usw, usw...

Hat man alles beisammen, kann man loslegen. Und ist man dann mal fertig, kann das Endergebnis so aussehen ...







Dies sind die fertigen Lampen zusammengebaut. Ich habe habe gleich zwei Stück gebaut, da mein Freund auch eine benötigte und die zweite in der Produktion sozusagen "mitgelaufen" ist.

Dies ist der Akkutank. Er ist aus einem Aluminiumrohr gedreht und wurde mit einem starken gedrehten Aluminiumboden verschweißt. Der Deckel ist abschraubbar und mit 2 Dichtungsringen (ein axialer und ein radialer) abgedichtet.

Hier ist der Lampenkopf, welcher aus einem vollen Aluminiumstab gedreht wurde. Er ist mit einem radialen Dichtungsring abgedichtet. Dabei dichtet die Glasscheibe auf der Dichtungsfläche des Lampenkopfes und wird mit Hilfe eines schraubbaren gerändelten Überwurfes angepresst.

Hier ist eine Aufnahme vom Lampenkopf ohne Überwurf, Glas, Dichtungsring und Halogenlampe.
So ein Ding aus einem vollen Aluminiumstab herauszudrehen erzeugt verdammt viel Späne in allen Arten und Formen, daß kann ich euch sagen!

Das ist der Lampenkopf komplett demontiert, bis auf die Kabelverschraubung.

Sämmtliche Aluminiumteile ließ ich von einer Eloxierfirma in Wien in seewasserbeständiger Stärke in Blau und Rot eloxieren.
(Damit wir die Dinger beim Tauchen außeinanderhalten können. *g*)

Dies ist eine Detailaufnahme des Lampenkoftschalters. Ich habe die Lösung mit einem Reedkontakt bevorzugt, da es durch den Schalter dann erst gar keine Dichtheitsprobleme geben kann. Der sehr starke kleine runde Magnet ist in das Loch im "Schaltring" eingepasst (hier noch nicht eingeklebt). Der Schaltring wird mit Hilfe einer kleinen Wurmschraube in der Fürungsrille am Lampenkopfgriff geführt. Kleine "Anschlagsschrauben sorgen für eine Begrenzung der Drehbarkeit. Ein kleines ca. 6 mm tiefes Loch im Griff in welchem eine kleine NIRO-Feder und eine kleine NIRO-Kugel sitzt, sorgt gemeinsam mit zwei kleinen Löchern im Schaltring für eine Arretierung des Schaltringes in den Postitionen EIN und AUS. Der Schaltweg beträgt 120° (ein Drittel des Umfanges).

Der Akkublock ist gemeinsam mit der Elektronikplatine mit dem Schraubdeckel fest verschraubt. Ich habe 12 Bleigelakkus zu einem 12V Akkublock mit einer Kapazität von 10Ah verbunden. Dies ergibt mit einer 12V/50W/HLX Halogenlampe von Osram eine theoretische Brenndauer von 2,4 Stunden.

Hier ist der Akkutank komplett zerlegt. Links unten im Bild ist der Stirnlochschlüssel welcher in Verbindung mit 2 Stirnlöchern am Drehverschluß für das Öffnen und Schließen des Akkutanks dient.

Hier sieht man noch den Drehverschluß mit abgenommener Elektronikplatine. Der Lampenstrom (der bei 100W, für die die Lampe maximal dimensioniert ist, immerhin 8.33 Ampere beträgt) wird mit Hilfe eines MOSFET BUZ100 geschalten. Die Schaltung besitzt eine Einschaltstrombegrenzung, damit die Lampe geschont wird und einen Tiefentladeschutz.
Damit man die zur Ende gehende Brenndauer mitbekommt und durch den Tiefentladeschutz nicht überrascht ist, wird bei Erreichen einer Schwellspannung (welche etwa 10 Minuten vor erreichen des Tiefentladeschutzes liegt) die Lampe 4 Mal in der Minute jeweils für eine knappe Sekunde kurz ausgeschalten.

Für alle, die sich nun die Frage stellen wieviel so eine Lampe im Selbstbau kostet, habe ich eine kleine Aufstellung zusammengestellt:

Die Kosten habe ich von der früheren österreichischen Währung (dem guten alten Schilling) in das "moderne Geld" den Euro umgerechnet. In die Beträge wurden sämtliche Aufwände hineingerechnet. Ich habe 2 Tauchlampen gebaut. Die Kosten beziehen sich auf eine Lampe.



Lampenkopf EUR 128,00
Akkutank EUR 212,10
Elektronik EUR 31,00
Zubehör (inkl. Ladegerät) EUR 57,000
Spesen und Transportkosten EUR 36,40
Summe EUR 464,60



Auf Grund der großen Nachfrage habe ich Details der Lampe hier zum Download zur Verfügung gestellt:

Schaltplan der Elektronik:
File Format Größe
Schaltplan .dwg (ACAD) (190 kB)
Schaltplan .wmf (22 kB)
Schaltplan .jpg (190 kB)

Lampenkopf: (existiert nur als jpg, da eingescannte Handskizze)
File Format Größe
Skizze vom Griffteil .jpg (297 kB)
Skizze vom Überwurfring .jpg (723 kB)